von Stefan Klein, CEO, SEPPmail

Das 18. Jahrhundert steht im Zeichen der Aufklärung und der Revolution. Aber auch im Zeichen des Tempos, der Beschleunigung, und des Wachstums. Die Weltbevölkerung wächst schneller als die letzten fünf Jahrhunderte zusammengenommen von 600 auf rund 970 Millionen. Das zuvor eher dürftige Postwesen wird weiter ausgebaut und ermöglicht auch den einfachen Leuten den Austausch von Nachrichten – wenn auch immer noch sehr langsam. Die einsetzende globale Vernetzung setzt sich fort, und europäische Länder weiten ihren Einfluss auf den Globus aus. Allen voran Grossbritannien, das mit Vollgas in die Industrialisierung prescht.

Preschen müssen auch die Pferde der Postboten. Doch auch im vollen Galopp ist die Nachrichtenübermittlung über längere Distanzen eine zähe Angelegenheit. Welche Möglichkeiten gibt es also, um Nachrichten schneller über die Entfernung zu übermitteln? Die Telegrafie – genauer gesagt die optische Telegrafie. Bereits vor Jahrtausenden versenden Menschen Nachrichten in Windeseile hunderte Kilometer weit in Form von Rauch- oder Feuerzeichen. Doch weil das System nicht sehr ausgefeilt ist, können damit keine frei formulierten, sondern nur bereits abgesprochene Botschaften verschickt werden.

Zum Glück gibt es zur Zeit der Revolution einen cleveren Franzosen namens Claude Chappe. Mit dem optischen Telegrafen erfindet er das erste praktische Telekommunikationssystem der Welt. Seine Vorrichtung ist simpel: An einem hohen Mast werden schwenkbare, zweigelenkige Signalarme angebracht, die an Strichmännchen erinnern. Je nach Position der Arme können verschiedene Buchstaben signalisiert werden. Zur Ver- und Entschlüsselung gibt es den «Chappe Code», eine monoalphabetische Substitution, bei der jedem Buchstaben ein anderes Symbol zugeordnet wird. Aber natürlich ist es auch möglich, komplexere Verschlüsselungen zu verwenden.

Bald zieren die Masten für die optische Telegrafie ganz Frankreich. Besetzt mit Telegrafisten bilden sie eine Kette, mit der Nachrichten mit einem Tempo von über 1000 Kilometern pro Stunde übermittelt werden konnten. Nicht ganz so schnell wie eine SMS, damals jedoch revolutionär – recht passend für die Zeit also. Zuletzt umspannt das französische Telegrafennetz eine Strecke von fast 5000 Kilometern, mit über 500 Türmen von Amsterdam bis Venedig.

Schnell kopieren und adaptieren andere Länder den optischen Telegrafen. Doch so beliebt das System auch ist, so schnell wird es ersetzt: 1774 erfindet Georges-Louis Le Sage in Berlin die weltweit erste Form der elektrischen Telegrafie.