von Stefan Klein, CEO, SEPPmail

Wer ans 17. Jahrhundert denkt, dem fällt nicht als erstes sichere Kommunikation ein. Der Dreissigjährige Krieg hinterlässt Mitteleuropa in Trümmern, Hungersnöte und Seuchen fordern zahllose Opfer. Kommunikation über Distanz ist noch rudimentär – kommuniziert wird hauptsächlich durch handgeschriebene Briefe, die von Boten und via frühe Postverbindungen überbracht werden. Und sie sind hauptsächlich Staatsleuten, Gelehrten und der Kirche vorbehalten.

Im 17. Jahrhundert gibt es verschiedene Wege sicherzustellen, dass Informationen nicht in die Hände der falschen Leute fallen. Die einfachste ist, dem Boten bewaffnete Männer zur Seite zu stellen. Einfach, aber unelegant – und kostspielig.

Effizienter, günstiger und relativ sicher ist der Einsatz von Kryptografie, also das Geschriebene zu chiffrieren bzw. mithilfe eines Geheimschlüssels unleserlich zu machen. Nur wer im Besitz dieses Geheimschlüssels ist, kann die Nachricht entziffern. Also genau wie moderne End-zu-End-Verschlüsselungen, nur viel einfacher. Kryptografie ist alt – schon vor 2’000 Jahren verschlüsseln ägyptische Gelehrte ihre Hieroglyphen.

Doch viele der gängigen Chiffren des 17. Jahrhunderts sind mit etwas Hirnschmalz und Glück einfach zu knacken. Denn zu der Zeit werden oft sogenannte monoalphabetische Substitutionen benutzt. In diesem Verfahren wird schlicht jedem Buchstaben ein neues Symbol zugeordnet.

Eine der interessantesten Chiffren, eine polyalphabetische Substitution, erfindet im 16. Jahrhundert der französische Diplomat Blaise de Vigenère. Diese entwickelt Johann Franz Graf von Gronsfeld-Bronkhorst im 17. Jahrhundert weiter. Der Clou: Bei einer polygraphischen Chiffre ersetzen verschiedene Symbole die Buchstaben. Aufgrund der Komplexität der Verschlüsselung sieht man sie lange als unknackbar an. Die erste bekannte Lösung einer solchen Chiffre wird erst im 19. Jahrhundert gefunden.

Die Vigenère-Chiffre wird im 20. Jahrhundert zur Basis des unknackbaren One-Time Pads oder Einmalschlüsselverfahren.