von Philipp Bachmann, Sales & Channel Manager, SEPPmail

Immer mehr Behördengänge können vor dem heimischen Rechner abgewickelt werden. Um das Potenzial von E-Government voll auszunutzen, müssen Bund, Kantone und Gemeinden zusammenspannen. Und sich nach den Bedürfnissen der Einwohnerinnen und Einwohnern richten.

Das Thema E-Government beschäftigt Bund, Kantone und Gemeinden schon lange. Spätestens seit 2007, als der Bundesrat die erste E-Government-Strategie verabschiedet hat.

Seit da haben Bund, Kantone und Gemeinden Fortschritte im Ausbau ihrer Angebote gemacht. Doch das Potenzial von E-Government in der Schweiz ist noch lange nicht ausgeschöpft. Das weiss auch der Bund, und hat im November 2019 die „E-Government-Strategie Schweiz 2020-2023“ gutgeheissen, bereits die dritte ihrer Art.

Dennoch hinkt die Schweiz bei der Digitalisierung von Diensten und Prozessen in der Verwaltung im internationalen Vergleich hinterher, wie die EU-E-Government-Benchmark 2020 zeigt. Immerhin: Sechs von zehn Einwohnerinnen und Einwohnern nutzten 2020 Online-Angebote der öffentlichen Verwaltung. Dabei zeigen sich laut E-Government Monitor 2020 knapp drei Viertel der Bevölkerung mehrheitlich zufrieden mit den E-Services der Behörden. Doch was erwarten Einwohnerinnen und Einwohner eigentlich von E-Government-Angeboten?

Einfach soll es sein

„Die Bevölkerung erwartet nutzerfreundliche und sichere Verwaltungsleistungen, die 24/7/365 erreichbar sind“, sagt Michael Keller, der als Leiter E-Government und Digitale Prozesse für die Stadt Zürich tätig ist. Die Stadt Zürich ist in Sachen E-Government in der Schweiz ganz vorne mit dabei – 50’000 Zugriffe verzeichnet sie täglich auf ihren Webseiten. In der Schweiz zählt lediglich der Bund mehr Aufrufe. 

Auf die E-Gov-Dienste der Stadt Zürich greifen Nutzerinnen und Nutzer via dem zentralen Login auf „Mein Konto“ zu. Hier können Zürcherinnen und Zürcher etwa Parkkarten beantragen, sich für Freizeitangebote einschreiben oder seit neustem Steuern online verwalten. Dass die Dienste zentral ein einem Ort zusammengefasst werden, ist Teil des Erfolgs der Plattform. Denn laut der nationalen E-Government Studie 2019 haben Nutzerinnen und Nutzer oft Schwierigkeiten damit, die richtigen Dienste und Angebote zu finden.

Einwohnerinnen und Einwohner sollten Services stets auch vor Ort in Anspruch nehmen können. Das ist auch für Michael Keller wichtig, denn durch E-Government sollen keine digitalen Gräben entstehen. Aber genauso gelte es umgekehrt: „Viele haben nicht die Möglichkeit, mittwochs um 14 Uhr an einer Marktstandsverlosung am Bürkliplatz mitzumachen.“ Für solche Fälle gibt es eben den Online-Schalter. Wenn das aber so praktisch und durchlässig ist, warum nutzen dann nicht mehr Leute E-Government-Dienstleistungen? 

Sicherheit hat Priorität

Der Hauptgrund dafür, dass E-Government-Dienste nicht umfassend genutzt werden, ist laut der nationalen E-Government-Studie 2019 mangelndes Vertrauen in die Datensicherheit. Die Sorge ist teilweise nachvollziehbar. Betrügerische E-Mails, die angeblich von der Zollverwaltung oder der Schweizerischen Post stammen sollen oder Cyberangriffe auf Spitäler und Medienhäuser zeigen, dass es im Internet keine hundertprozentige Sicherheit gibt.

So setzt die Stadt Zürich etwa auf 2-Faktor-Authentisierung, wenn Nutzer auf sensible Daten in „Mein Konto“ zugreifen möchten, sonst reichen Nutzername und Passwort. Nicht alle Prozesse können aber komplett über die Plattform abgewickelt werden. „Manchmal ist auch eine Kommunikation per E-Mail notwendig“, sagt Keller, „jedoch dürfen sensitive Personendaten nie unverschlüsselte per E-Mail übertragen werden, der Schutz der Daten muss als Verwaltung immer oberste Priorität haben.“ 

Dieser Meinung ist auch Christoph Koch, CTO von Cisco Schweiz. Als ehemaliges Mitglied der Swiss Digitalization Acceleration Taskforce, zuständig für den Bereich Cybersecurity, hat er sich intensiv mit den Themen Datensicherheit und E-Mail-Verschlüsselung auseinandergesetzt. „In Zeiten der totalen Vernetzung ist die eigene Firewall nicht mehr das Mass aller Dinge. Der eigene Sicherheitsperimeter zählt nicht mehr, sobald die E-Mail das eigene Netzwerk einmal verlassen hat“, weiss Koch. Aber „nicht nur die Verschlüsselung einer Übertragung ist essenziell, sondern auch die eindeutige Identifikation des Absenders.“ Damit Nachrichten als vertrauensvoll erachtet werden können, braucht es eine digitale Signatur, die nicht nur die Integrität einer E-Mail, sondern auch die Echtheit des Absenders bestätigt. Dies geschieht durch bestimmte Schlüssel, die von vertrauenswürdigen Zertifizierungsstellen einer bestimmten Person zugeordnet werden. Ein weiteres Beispiel dafür könnte dereinst die E-ID werden, wenn das entsprechende Gesetz das Referendum am 7. März übersteht. 

Fazit

Nutzerinnen und Nutzer wollen einfaches und sicheres E-Government. Voraussetzung dafür sind durchgängig digitale und – sichere Prozesse. Dazu gehört auch die verschlüsselte Übertragung von E-Mails sowie die Identifikation der Herkunft und Integrität einer E-Mail mittels digitaler Signatur. Dann klappt’s auch mit dem Vertrauen.